Rahmenwechsel bei Markus' Dyane


Schwierigkeit:

Zeitbedarf:      Normalerweise vielleicht 14 Tage; in diesem Falle fast ein Jahr ....


Die bisher heikelste Episode seitdem ich den "schaukelnden Briefkasten" besitze begann im Sommer 2005.
Tagsüber noch rumgefahren und einen Freund aus Augsburg von den Qualitäten und dem Fahrkomfort eines CitroŽn überzeugt, ging das Drama auch kurz drauf schon los.

Bei Ankunft zu Hause stellte ich fest, dass die Fahrertür nicht mehr ins Schloß fiel und irgendwie stimmte die ganzen Winkelmaße nicht, auf der Beifahrerseite sah das ganze noch übler aus, PANIK! Kurz drauf das vernichtende Urteil von Andreas und Max: der Rahmen hat nach 26 (!) Jahren aufgegeben, Totalverlust. Gebummelt, einige Zeit ins Land gehen lassen und irgendwann dann zu Meisen nach Jüchen gefahren und einen neuen Rahmen (vollverzinkt versteht sich) gekauft.

Frisch ans Werk, die Jungs sind angerückt und das eigentliche Drama konnte beginnen und das war nicht der Rahmenwechsel.

Relativ flott nahm die Hütte Abschied von dem alten Rahmen und hektisches Tüten-Beschriften und Teile wegpacken (mein persönliches Déjà-Vu) war angesagt. Was allerdings dann zum Vorschein kam ist der Alptraum eines jeden Enten/Dyane-Fahrers, Rost in rauen Mengen und an allen Ecken und Enden. Die Hütte hatte im Laufe der Jahre ganz schön gelitten und hätte nicht der Rahmen aufgegeben, wäre die Hütte wohl bald von selber abgesackt, da das Pedalbodenblech und die Bodenbleche, sowie die Seitenschweller teils stark korrodiert waren.


So wurden also auch noch umfangreiche Schweißarbeiten fällig und ich glaube, der erste Profi-Schweißer ist von derartig dünnem Blech geheilt und packt nie wieder eine Ente an :o)

Damit die Hütte sich nicht verzieht, wurde ein Hilfsrahmen eingesetzt, eine relativ simple Rohrkonstruktion, die lediglich die Abstände einhalten soll, damit der ganze Kram zum Schluß auch noch passt.

Übrigens wurden extra nur Schweißpunkte und keine ganzen Nähte gesetzt, da sich aufgrund der Hitzeentwicklung auch wiederum alles verformt hätte. Ist halt nur dünnes Blech und kein Containerfrachter.

Die Scheiben habe ich mit Alu-Folie zugeklebt, um sie vor Funkenflug zu schützen. Die ganze Kiste sah aus wie die Vorbereitung des Festbratens zum Weihnachtsessen...

Die zeitliche Reihenfolge bekomme ich gar nicht mehr hin, so viele Arbeitsstunden wurden von allen investiert, das ist einfach unglaublich.

Den vollverzinkten Rahmen habe ich noch auf Jürgens Rat in grundiert und lackiert, außerdem mit reichlich Hohlraumwachs gefüllt. Als die Achsen dann von den Jungs montiert wurden, musste doch so einiges nachgearbeitet werden, weil auf Anhieb passte eigentlich fast nichts.

Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass dies auch nicht wirklich ungewöhnlich sei, da spätestens bei der Verzinkung die Maße abweichen. Ohne den Club wäre ich wohl hier allerspätestens reif für die Klappse gewesen, aber nach reichlich Gewürge und Gefummel passte nach und nach doch alles irgendwie zusammen.

Um der Optik Rechnung zu tragen, habe ich das Getriebe von der Dreckkruste (hier vorher-nacher Bilder zu sehen) befreit und die Achsschenkel entrostet und schwarz lackiert. Wilhelm hat dann noch einen Getriebedeckel mit RW-Schalter gestiftet, somit trug die Restaurierung (von Reparatur kann man nicht mehr ernsthaft reden) auch zur Sicherheit bei. Max dichtete den Deckel noch freundlicher Weise ab.

Da es Ersatzteile für die DY nicht im Überfluss gibt, musste auf 2CV-Teile zurückgegriffen werden, so zum Beispiel bei dem Pedalbodenblech, welches dann die Kotflügelaufhängungen und das Loch für die Scheibenwischanlage des alten Bleches erhielt.

Nachdem die sehr umfangreichen Schweißarbeiten erst einmal abgeschlossen waren,


konnte ich mich mit dem Pinsel austoben, juchu, endlich etwas, was auch ich kann.... Also schön Schweißprimer verteilt und überlackierbaren Unterbodenschutz und oben drauf natürlich AC333. Vorher alle Ritzen so gut wie möglich mit Karosseriedichtmasse verschmieren, um die Feuchtigkeit draußen zu halten.

Die Haube und deren Splint-Konstruktion waren auch so ein "Leckerbissen", neue Splinte konnte ich bei einer Garagenauflösung ergattern (schon im Jahre 2004), aber die abgebrochenen, festgerosteten aus der alten Führung zu bekommen war auch nicht der Hit. Ich hatte bereits reichlich dran rumgewürgt und aufgegeben, irgendjemand (Andreas/Jürgen/Olli?) konnte das kleine Biest aber dann doch noch mit sanfter Gewalt rausfriemeln.

Langsam fügte sich das Puzzle wieder zusammen, durch die neuen Maße waren leichte Modifizierungen nötig (Pedalhalter, Bohrungen Sitzschiene usw.) nötig. Das Ganze ist nun kurz erzählt, hat aber REICHLICH Arbeitsstunden und Geduld und Einsatz von sehr vielen Personen gefordert.

Als dann alles nahezu fertig war, kam der Abschluss-Hammer: die Kiste ließ sich nicht schalten. Trotz neuer Kupplung reagierte das Getriebe mit Funkenflug und einem äußerst unsympathischen Geräusch, die Kupplung trennte einfach nicht. OK, das war's endgültig für mich, ich wollte die Kiste dem Erstbesten in die Hand drücken, der die Straße runterkam. Völlig egal wer, ich war fertig mit diesem aufmüpfigen Ding.

Durch die Aktivierung diverser Schrauber und nach 5-maligem Ein- und Ausbau des Motors (ich war nicht anwesend sondern suchte bereits wild entschlossen im www nach einem potentiellen Käufer) stellte sich irgendwann raus, dass die Auswurfgabel verbogen und daher eine korrekte Trennung nicht möglich war.

Auch dieser Schaden wurden behoben und ab mit dem ganzen Gefährt zum TÜV.

Leider nicht im ersten Anlauf drüber, die Wirkung der Handbremse war eher suboptimal, ansonsten nur Kleinigkeiten wie Spur-Einstellung und seeeeehr langsames Blinkrelais. Auch diese Mängel wurden behoben, so dass der TÜV Prüfer im zweiten Anlauf einem inzwischen 27 Jahre altem Auto die beiden heiß begehrten Plaketten erteilen und ein "mängelrei" attestieren musste.

Böse Zungen behaupten, der Endspurt kam nur wieder durch das bevorstehende Jahrestreffen zustande und irgendwie fürchte ich, ganz unrecht haben die nicht, shame on me.

Nun fährt sie also erst mal wieder und ich hoffe, es steht ihr noch ein langes Enten- (oh Verzeihung Dyane-) Leben bevor. Zu diesem Zweck hat sie auch noch eine großzügige Ladung Unterbodenschutz bekommen.

Herkömmliche Gruben sind übrigens grade eben noch ausreichend für die Spurbreite.....

Ich möchte allen danken, die Zeit Geld, Material und Nerven geopfert haben, als da wären (in alphabetischer Reihenfolge):

Andreas, Dieter, Friedhelm, Hansgert, Helmut, Jürgen, Martin, Max, Olli, Papa, Sascha, Wilhelm

Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen!

MB, August 2006